Über den Wolken mag die Freiheit zwar grenzenlos sein, aber die Luft wird zunehmend dünner.

Um mich für den bevorstehenden Berlin-Marathon weiter vorzubereiten, hatte ich mich für den Aufstieg zum Kilimanjaro als weitere Trainingsmaßnahme entschieden.

Bei der Wahl der geeigneten Route punktete eindeutig die „Marangu-Route“ von Tansania aus, da dies die einzige mit befestigten Hütten ist. Die Wege sind steinig, aber gut begehbar.Aber: Viereinhalb Tage für den Aufstieg waren einfach mit vielen Fragezeichen verbunden. Der fehlenden Akklimatisierung folgte unausweichlich eine zunehmende Atemnot, Verdickung des Blutes (Zunahme der roten Blutkörperchen) und Blutdrucksteigerung, die die Leistungsfähigkeit zunehmend limitierte.

Über den ersten Stopp in 2700 m hinaus erlebten wir bis 3000 m Regenwald pur – mit Feuchtigkeitsgarantie! Mantelaffen und subtropische Vegetation schafften unvergleichbare botanische Erlebnisse. Doch bereits ab 2500 m versuchte der Körper dem Sauerstoffmangel mit einer höheren Atemfrequenz und einem gesteigerten Ruhepuls zu begegnen.

Bis zur nächsten Unterkunft bei 3700 m oberhalb der Baumgrenze durchwanderten wir eine Moor- und Heidelandschaft. Nach der Ankunft wurde in den Hütten „fleißig“ Diamox verteilt, ein Entwässerungsmittel, da 20-50% der Tourteilnehmer mit den Symptomen der Höhenkrankheit, insbesondere Kopfschmerzen, zu kämpfen hatten. Das Medikament führt jedoch zu massiven Mineralstoffwechselstörungen der Muskulatur, verbunden mit Krämpfen, aber auch Übelkeit und Erbrechen.

Mit gleichmäßigem Tempo – wiederum 1000 Höhenmeter in 6 Stunden – erreichten wir umgeben von einer bizarren Vulkanlandschaft die letzte Unterkunft vor dem Gipfel (4700 m). Nach vier Tagen täglich zunehmender Kurzatmigkeit, verlieren sich leider die Emotionen, die umgebende Landschaft zu genießen. Und die Gewissheit, dass es in der Nacht um 00:30 an den letzten Aufstieg gehen sollte, war für mich einfach nur erdrückend.

In schwärzester Nacht ging es nun noch langsamer gen Gipfel, wobei jeder Schritt zu schnell war. Durch das kleinsteinige Lavagestein rutschte ich beim Aufstieg immer einen halben Schritt zurück. Die Stirnlampe zeigte einem zwar die nächsten Meter, aber der Gipfel blieb die gesamte Zeit über in einem schwarzen Loch versteckt. Zuletzt war ich gezwungen, in fünfminütigen Abständen Sauerstoffpausen einzulegen.

Und dennoch: Trotz aller Qualen und völlig fertig stand ich pünktlich zum Sonnenaufgang um 06:30 Uhr mit Tränen in den Augen endlich auf dem mit knapp 6000 m höchsten Berg Afrikas – dick eingepackt bei ca. -10°. Der Gletscher ist einmalig und die Sicht nicht minder beeindruckend.

P.S. Der nächste Gipfelturm ist schon in Planung. Dank auch an Alex, meinen afrikanischen Träger, ohne den ich dieses Abenteuer so nicht hätte bewältigen können.